Scotland

Schottland Reise

Ich versuche, jeden Tag der Reise eine kurze Zusammenfassung aufzuschreiben, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob es mir so gelingen wird. Wir werden sehen. All das, was jetzt folgt, ist möglicherweise nicht vollständig.

Tag 1, 11. Januar

Der erste Tag verlief völlig unspektakulär: Frühes Aufstehen, um rechtzeitig an der Fähre in Dünkirchen zu sein (12 Uhr mittags). Einchecken ging problemlos, jedoch hat sowohl der Mensch am Kassenhäuschen als auch der Zoll die großen Kisten übersehen, die ich auf dem Landydach hatte. Das machte die ganze Fuhre deutlich höher als 2,20 m. Also stand ich in der falschen Schlange, der für PKW bis 2,20 m Höhe. Man hat mich aber dann doch noch rechtzeitig zu den LKWs rübergeschoben. Gar nicht weit von Dover entfernt, kurz nach dem Battle of Britain Memorial, gibt es eine schöne versteckte Bucht, erreichbar nur über eine Privatstraße, die aber für Zu- und Abfahrt freigegeben ist. Das war mein erster Halt. Nach einem kleinen Spaziergang ging es weiter. Erst einmal grobe Richtung London, verbunden mit einem kleinen Abstecher zu einem Spezialgeschäft für Angelzubehör. Dem Internet sei Dank wusste ich, dass es dort ein seltenes Ersatzteil für meinen Benzinkocher gibt. Der 20-Minuten-Abstecher hat sich gelohnt. Es wurde schwierig, einen schönen Platz für die Nacht zu finden. Hecken, Zäune, Gatter überall. Keine Möglichkeit, irgendwo ein Versteck zu finden. Dann werde ich mir eben einen Campingplatz suchen. Meine Karte zeigt zwei Campingplatz Symbol an kleinen Strässchen. Also, der Karte nachgefahren. Das erste: eine Tür in einer Sackgasse, ohne Campingplatz. Das zweite war der Parkplatz und die Wiese von einem Pub. Es war schon kurz vor dem Dunkelwerden. Also ich rein und nachgefragt. Nein, der Campingplatz ist geschlossen, die Wiese ist zu nass. Ob ich auch ohne Grass darunter stehen würde? Gar kein Problem! Was es kostet? Willst du etwas trinken und vielleicht sogar essen? Dann kostet es nichts. Brauchst du Strom? Brauche ich nicht. Ich habe gut gegessen und getrunken und geschlafen.

Tag 2, 12. Januar

Am nächsten Morgen war die ganze Pub-Familie schon mit Radlader, Bagger und Traktor zu Gange, um Kram und Schutt beiseite zu schaffen. Naja, es war sowieso Zeit zum Aufstehen. Es ging ganz gemütlich Richtung Bristol. So gegen 16 Uhr bin ich an der Galerie angekommen. Bis ich alles verpackt hatte, war es schon dunkel. Ich war noch nicht sicher, wo ich über Nacht bleiben sollte, bin dann noch einmal bei dem netten Boots Pub vorbeigefahren, bei dem ich auch das letzte Mal schon war. Der freie Parkplatz genau vor der Tür muss ein Zeichen gewesen sein. So beschloss ich, dort zu bleiben. Später habe ich mich noch mit einem Freund getroffen und wir hatten einen richtig netten Abend mit ein paar lokalen Bieren.

Tag 3, 13. Januar

Ich habe gemerkt, dass mein Packen nicht optimal war. Langsam stellt sich heraus, was ich vergessen habe und was zu viel ist. Von Bristol aus bin ich Richtung Nordwesten nach Wales gefahren. Über kleine Straßen zu dem Platz, den ich beim letzten Mal entdeckt hatte, direkt am Fuße der Breaken Beacons. Es ist ein kleines Tal mit Bachlauf, alten Bäumen und Wiesen, das sich zu den Bergen hin öffnet. Als ich dort ankam, war ich völlig allein. Später kam ein Fotograf, der irgendwas im Bach fotografiert hat. Das habe ich mir eine Weile angeschaut, dann bin ich dahin gegangen. Ich habe noch nie ein Gespräch angefangen während ich im eiskalten Wasser stand. Wir haben lange geplaudert, über Fotografie, Reisen, Gott und die Welt. Wir hätten bestimmt noch ein zwei Stunden weiter geplaudert, wenn Sean, der Umwelt-Policy Berater, nicht nach Hause zu seiner schwangeren Freundin gewollt hätte. Ich glaube, als Kind habe ich das letzte Mal längere Zeit Gummistiefel angehabt – ich hatte ganz vergessen, was für kalte Füße man bekommen kann, wenn man in Gummistiefeln nicht die richtigen Socken anhat. Ich habe noch ein paar Sachen sortiert und mir dann Lammkoteletts, oder besser gesagt Schafkoteletts, gebrutzelt. Lecker war es trotzdem. Ich bin früh schlafen gegangen, das einzige Geräusch war das Rauschen des Bächleins.

Tag 4, 14. Januar

Ich bin gerade in der Dämmerung wach geworden. Es war wunderschön. Von den Bäumen konnte man zunächst nur Silhouetten erkennen. Ich bin rausgesprungen und habe angefangen, Bilder zu machen, bis die Dämmerung vorbei war. Anstatt mich wieder hinzulegen, hab’ ich eine Kleinigkeit gefrühstückt und bin dann Richtung Beacons gewandert. Dort gibt es einen See, von dem die Einheimischen sagen, dass es in der Mitte eine unsichtbare Insel gibt, auf der Feen leben. Überhaupt ist dies ein Land der Zauberwesen, der Trolle, Feen und Gnome. Ein Spaziergang oder besser eine kleine Wanderung von etwa 2-3 Stunden. Als ich wieder zurück war, hab’ ich nunmehr Sachen umgeräumt, einiges aufs Dach gepackt, mir etwas zu Mittag gekocht und bin dann am relativ späten Nachmittag erst losgefahren. Nach etwa einer Stunde Fahrt habe ich in einem kleinen Städtchen einen schönen Platz direkt an einer Brücke gefunden. Ein großer Parkplatz, mit Toiletten und Dusche, ab 18 Uhr ist das Parken kostenlos. Ich habe kaum gestanden, da flogen auch schon die ersten Trucks ein, obwohl es eigentlich nur ein ganz normaler Auto-Parkplatz war. Also diesmal nicht allein. Auch gut. Noch ein kleiner Spaziergang im Ort, WiFi bei der Bank, dann war Schluss für den Tag. Der Platz war zwar nicht annähernd so romantisch wie der der letzten Nacht, aber ein offizieller Parkplatz hat den Vorteil, dass einen niemand wegschickt. Gekocht haben ich nicht. Die Seitenlichter mit Bewegungsmelder, die ich angebracht habe, sind toll. Beruhigen schon irgendwie und tragen enorm zum Wohlfühlgefühl bei. Es ist eine gute Idee gewesen.

Tag 5, 15. Januar

Eine Dusche! Ich habe geduscht. Das Wasser war zwar nicht so heiß, wie ich mir es gewünscht hätte, aber es war in Ordnung. Weiter über kleine Straßen, grobe Richtung Nord Ost. Auf der Karte sehe ich, dass ein kleiner Weg sehr schön um einen Hügel herumführt. Da es ohnehin Zeit für einen nächsten Kaffee wird, folge ich diesem kleinen Pfad. Dauernd muss man anhalten, um irgendwelche Gatter auf- und wieder zuzumachen. Dann komme ich an einem kleinen Haus vorbei, an dem eine Tafel hängt, die es als einen Treffpunkt der Quäker ausweist. Mit Religion habe ich nichts am Hut, aber ich weiß, dass ein Bekannter von mir sich sehr stark bei den Quäkern engagiert. Also hab’ ich ein Bild von der Tafel gemacht und es ihm per E-Mail geschickt. Ich habe noch dazu geschrieben: „Wahrscheinlich ist es nichts Besonderes, aber vielleicht kennst du es ja doch?“ Die Antwort kam 3 Stunden später: „Nichts Besonderes? Ich war dort schon ein paar Mal und ganz in der Nähe wohnt eine Freundin von mir. Du solltest sie besuchen, sie hat deutsche Eltern, ist aber in Südengland aufgewachsen und hat jetzt eine kleine Schaf-Farm ganz in der Nähe.“ Wie klein ist eigentlich die Welt? Wäre ich nicht, als ich die E-Mail bekommen habe, schon ein paar 100 km weiter gewesen, wäre ich gerne auf einen Plausch bei seiner Freundin vorbeigefahren. Nun war es schon zu spät. Es war ein Tag voller grandioser Landschaften und sanfter Hügel. Mit einem Abstecher zu einem Space Observation Center und einer netten Dame als Eskorte durch Baustellenumleitungen, die sichtlich Spaß hatte, den großen Landrover im Schlepptau zu haben. Ein kleiner Bummel durch Ludlow, im Umkreis von 100 m um den Marktplatz gibt es mindestens drei Metzgereien. Ich habe alles Mögliche eingekauft, unter anderem eine Wildente. Also steht Entenbraten auf der Speisekarte. Weiter geht es Richtung Nord Osten, ich merke, dass ich wieder in England bin. Die Landschaft ist weniger offen hier. Hecken, Mauern, Gatter. Ich bleibe auf einem Camping, das allerdings wenig Charme hat.

Tag 6, 16. Januar

Geweckt werde ich vom Lärm der Baustellenfahrzeuge, die hier die Straße aufbuddeln, um eine neue Wasserleitung zu verlegen. Ich frühstücke und fahre Richtung Peak District. Ein früherer Kollege wohnt nicht weit von dort und wir haben gesagt, dass ich am späten Nachmittag zu ihnen komme. Es hat angefangen zu regnen und – obwohl im Moment wie ausgestorben – merkt man, wie touristisch diese Gegend ist. Irgendwie kann ich mich nicht so recht daran gewöhnen, überall, sogar mitten im Wald, für das Parken bezahlen zu müssen. Am Nachmittag fahre ich zu meinem Kollegen. Ich bin überwältigt, ein Haus auf einem Hügel, ich weiß nicht, wie viele Zimmer, stilvoll eingerichtet. Alleine das Esszimmer und der Wintergarten sind größer als mein Apartment. Wir verbringen einen lustigen Abend und frischen ein paar Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit bei NATO auf.

Tag 7, 17. Januar

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Tour durch den Garten war der Rest des Tages ein Fahrtag. Ziemlich genau zum Sonnenuntergang habe ich einen wundervollen Strandplatz etwa 20 Minuten nördlich von Newcastle gefunden. Es hatte geschneit, die Straßen waren teilweise weiß. Irgendwo im Vorbeifahren habe ich einen schweizerischen Bulli gesehen, sonst ist hier niemand. Welch eine ruhige Nacht, nur das Rauschen der Brandung war zu hören.

Tag 8, 18. Januar

Morgens habe ich mir viel Zeit gelassen. Es war einfach zu schön, um nicht ein bisschen spazieren zu gehen, und bin erst gegen elf weitergefahren. Weiter der Küste entlang. Früh wollte ich einen guten Platz finden, um mein Entenproblem zu lösen. Vor einigen Tagen schon konnte ich bei einer kleinen Metzgerei nicht widerstehen und habe eine Wildente gekauft, die nun schleunigst in Topf oder Pfanne wandern muss. Ich habe immer mal wieder einen Platz angesteuert, der mir geeignet erschien – wäre sogar auf einen Campingplatz gegangen. Alle Plätze auch irgendwie schön, aber es war entweder zu verboten, zu windig oder zu viel Betrieb. Letztendlich habe ich einen schönen Platz bei der zeitweise sinnlosen Brücke gefunden. Speck, Zwiebeln und Wirsing angebraten, einen guten Schuss Trüffelöl dazu und die Ente damit gefüllt. Diese von allen Seiten scharf angebraten, mit Rotwein und Wasser abgelöscht. Alles mit Orangestückchen umlegt und für 2 Stunden ab zum Garen. Sehr lecker!

Tag 9, 19. Januar

Samstagmorgen, ab 6 Uhr ist hier Betrieb. Alle mit ihren Hunden. Ich bewundere diese kleine Brücke, die jeweils 2 Stunden um Flut herum völlig sinnlos wird – nur ein Kunstwerk in der Landschaft. Es war eine Nacht der Albträume: Der große Hund, der problemlos sein Maul um mein Knie legen konnte und den ich kaum wieder los wurde und schließlich irgendwo eingesperrt habe. Die Fahrt mit der Metro den Hügel hoch, obwohl ich ein Ticket gekauft hatte, habe es im Automaten vergessen und musste prompt eine hohe Strafe zahlen. Auf der Rückfahrt das Gleiche, nur diesmal ganz ohne Ticket und lauter anderes wirres Zeug über ein gestohlenes Fahrrad, von dem ich erst dachte, es sei meins, über eine Leiter zu einer Plattform, die sich umso mehr neigt, je voller sie wird und deshalb irgendwann unerreichbar wird…

Es war ein ungemütlicher Morgen, Nieselregen und ein Wind, der durch Mark und Bein geht. Ich habe jeden Zwischenstopp vermieden und bin direkt weiter Richtung Norden in die Highlands gefahren. Abgesehen von einem Zwischenstopp an einem kleineren Loch, das seine Ufer sehr dezent im Nebel zu verbergen suchte. Am Nachmittag zeigte sich, dass die Entscheidung weiterzufahren richtig war. Die Highlands empfingen mich mit sonnenbeschienenen Gipfeln. Ich dachte, es sei Zeit, mal wieder auf einen Campingplatz zu gehen, und hatte von einem Platz in der Nähe von Aviemore gelesen. Eine gute Tagesetappe. Enttäuschend, zwar ein relativ normaler Campingplatz – nicht so ein Mobile-Home-Getto wie manch anderer -, aber 24 Pfund für einen Stellplatz, ein Klo und eine Dusche fand ich viel. Der Dame an der Rezeption ging es wohl genauso und sie hat mir empfohlen, zu einem Pub in der Nähe zu fahren, dem Old Bridge. Wenn man da etwas isst oder trinkt, dann kann man umsonst stehen. Einen so wunderschönen Platz hätte ich nun wirklich nicht erwartet! Eine ruhige Anliegerstraße, der Platz direkt am Ufer eines Flüsschens, für die Fotografen sehr romantisch mit Brücke und Mondlicht. Kurz gefragt, Parken ist o. k., aber es ist kein Tisch mehr frei zum Essen. Auch gut, ich habe ja noch Ente von gestern. Der habe ich dann mit ein, zwei lokalen Bieren nachgespült.

Tag 10, 20. Januar, Aviemore

Es war eine sehr ruhige Nacht. Am Abend hatte ich noch ein bisschen das Pub Wi-Fi ausgenutzt, das gerade bis zu meinem Platz reicht. Erst gegen 9.30 Uhr bin ich aufgewacht. Es hat begonnen, leicht zu schneien, und ein Schneepflug dreht seine Runden. Ich sitze jetzt im geheizten Landy bei einem Kaffee und aktualisiere das Logbuch. Ich bin weitergefahren Richtung Norden, dann aber doch noch mal abgebogen auf kleine und kleinste Sträßchen Richtung Loch Ness mit vielen Stopps für Fotos. Es ist wie im richtigen Leben: Wenn man etwas sucht, findet man es nicht. Ich hatte noch nach einem Pub Ausschau gehalten zum Essen, Trinken, Schlafen. Nichts zu machen. Und Inverness war nicht so hübsch, wie ich es mir vorgestellt habe. So bin ich noch ein Stück weitergefahren und habe einen wunderschönen Platz mit 270° Sicht aufs Wasser auf einem kleinen Landzipfel gefunden. Als ich dort ankam, stand der Mond gerade sehr pittoresk über einer Bohrinsel. Morgen früh werde ich in entgegengesetzter Richtung eine Mondfinsternis beobachten können. Bin gespannt.

Tag 11, 21. Januar

Aus der Mondfinsternis ist nichts geworden, zumindest nicht für mich. Es war kalt, regnerisch und stark bewölkt. Nach einem Kaffee bin ich weitergefahren Richtung Norden. Es ist nicht mehr weit bis zum nördlichsten Punkt Großbritanniens. Da ich aber ziemlich rumgetrödelt habe, würde ich es wohl heute nicht mehr schaffen. Irgendwie dachte ich, einen Campingplatz zu finden oder einen Pub-Parkplatz. Montag – es ist wie bei uns in Deutschland: Alles hat geschlossen, auch die Pubs. Letztendlich habe ich einen netten Stellplatz gefunden, ein kleiner ehemaliger Hafen in einer geschützten Bucht. Abgesehen von einem Gespräch mit einem Dig-walker, war ich dort mutterseelenallein. Ich habe etwas zum Essen gemacht und bin dann recht bald zum Rauschen der Brandung eingeschlafen.

Tag 12, 22. Januar

Früh am Morgen habe ich hier noch ein paar sensationelle Bilder machen können. Dann ging es weiter. Richtung: nördlichster Punkt Großbritanniens. Natürlich wieder über kleine und kleinste Straßen. Was sehen meine Augen? Land Rover aus fünf oder sechs Generationen mit ein paar ganz selten Exemplaren dabei. Anhalten, aussteigen, Fotos machen. Der Besitzer kommt, wir plaudern mehr als eine halbe Stunde lang im eisigen Wind. Ein sehr interessantes Gespräch. Es ist interessant, wie man spontan fast Freundschaften schließen kann. Doch dann geht’s weiter mit vielen Fotos-Stopps zwischendrin Richtung Dunnet Head. Viele verfallene Höfe unterwegs. Es scheint alles geschlossen zu haben. Ich fahre weiter bis zu diesem kleinen Leuchtturm an diesem kleinen Landzipfel. Ich bin mutterseelenallein. Ein kleiner Spaziergang an der nördlichsten Stelle dieser Insel. Dann ein Stückchen weiter. Dorthin wo ein Weg abzweigt, der nur für Traktoren und Landrover gemacht zu sein scheint. Ich erkunde das Plateau, es scheint mal eine Militärbasis gewesen zu sein. Zeit für ein paar Drohnenaufnahmen blieb auch noch. Die Zeit verging wie im Flug, weiter der Küste entlang. Für die Nacht habe ich einen wunderbaren Platz mit Blick aufs Meer auf der Spitze einer Düne gefunden. Grandios, das Meer rauschen zu hören. Es hat auch angefangen zu schneien; inzwischen ist draußen alles weiß. Bin mal gespannt, wie ich hier morgen früh wieder runterkomme

Tag 13, 23. Januar

Als ich aufwachte, war ich fasziniert von dem Spiel des Windes mit den Wolken und den Wellen. Lange kann es ja nicht mehr dauern, bis es richtig hell wird. Von meinem Platz hatte ich einen wunderbaren Blick. Doch halt, irgendetwas stimmt nicht. Mondlicht! Es war erst 1.30 Uhr. Also habe ich mich noch mal umgedreht und lange weitergeschlafen. Es hatte die ganze Nacht geschneit und ist auch kälter geworden. Mein Windsegel war steif gefroren und auf dem Sturmvordach lag Schnee und Eis. Am Morgen war ein grandioses Licht. Ich habe viele Bilder gemacht und unterwegs, auf meiner Fahrt mehr oder weniger der Küste entlang, oft angehalten, um Bilder zu machen. Das Wetter war extrem wechselhaft; von Sonnenschein bis Schneesturm war alles dabei. Heute habe ich vor Sonnenuntergang einen Platz gesucht und gefunden. Ich stehe spektakulär auf einer Klippenspitze, etwa 40 m über dem Meer. Ich habe gekocht und ein paar Bilder in die sozialen Netze gepostet.

Tag 14, 24. Januar

Das Rauschen vom Wind und Meer wirkt beruhigend auf mich. Ich habe wunderbar und ganz lang geschlafen. Morgens habe ich noch etwas rumgetrödelt, aber es war doch einfach zu windig, um länger dort zu bleiben. Also weiter, wunderschöne Landschaften und dann diese malerische kleine Brücke. Auf der Suche nach einem guten Platz zum Anzuhalten und auch, um nicht allzu weit zurücklaufen zu müssen, habe ich diesen kleinen Weg entdeckt, der ein bisschen später parallel zur Hauptstraße Richtung Brücke führte. Also gewendet und reingefahren. Und natürlich Fotos, Fotos, Fotos. Der Weg ist zu schmal, um zu drehen, lange Strecken rückwärts fahren ist öde, aber wozu brauche ich Straße? Ich kann ja einfach auf die Wiese setzen und dann drehen. Erst mal vorsichtig versuchen, alles klar. Doch dann geht es plötzlich eine Etage tiefer. Die Wiese war gar keine, sondern ein Sumpf mit gefrorener Oberfläche. Und ich bin einfach eingebrochen. O. k., kein Problem, Differenzialsperre und Untersetzung rein. Denkste! Nichts geht mehr, ich setze schon nach wenigen Augenblicken hinten mit der Bodenwanne auf und die Räder hängen in der Luft beziehungsweise im Wasser. Mist! Erst mal Gummistiefel an und die Lage peilen. Für solche Gelegenheiten habe ich ja einiges dabei. Ein Seil, eine Handwinde, einen speziellen Wagenheber, Schaufel und ein (aber leider nur ein) Auffahr-Blech auf dem Gepäckträger. So leicht komme ich hier nicht raus. Es gibt keine Möglichkeit, das Seil irgendwo festzumachen, Handwinde scheitert somit. Erst mal das Blech abschrauben. Irgendwas muss unter die Räder. Hier gibt es nichts außer Steinen von der unhandlichen Größe im Fluss. Um etwas unterzulegen, muss man natürlich die ganze Fuhre etwas anheben. Also Wagenheber raus und ein etwa DIN A4 großes Kunststoffbrett drunter geschraubt, um die Aufstellfläche zu vergrößern. Im gleichen Moment hält ein Wagen an. Fragt, ob ich Hilfe brauche, wartet aber meine Antwort gar nicht ab, sondern setzt zurück und kommt den Feldweg entlang gefahren. Der örtliche Polizist, wie er ganz beiläufig bemerkt. Er sagt, er kennt hier alle und er kann gerne mal einen Bauern anrufen, der mit seinem Traktor kommt und mich rauszieht. Das ist ein Angebot. Er telefoniert, sagt, es kann eine oder zwei Stunden dauern und fährt davon. O. k., dann versuche ich nur, irgendwie die Anhängerkupplung beziehungsweise deren Befestigung freizulegen, damit wir ein Seil daran kriegen. Sumpf! Mit dem Highlift habe ich das Heck ein paar Zentimeter angehoben, die große Wagenheberplatte ist aber mehr als einen halben Meter im Boden versunken. Gut, dass sie fest angeschraubt ist, sonst wäre sie weg gewesen. Den 300 PS Schlepper vom Bauern habe ich schon von weitem gehört, ich war gerade damit fertig, das Seil zu befestigen. Der Rest war eine Sache von Minuten und der Landy stand wieder auf dem Weg. Es wird mir eine Lehre sein! Ich bin erschöpft und müde, der Tag hat nicht so begonnen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich werde den nächsten Campingplatz ansteuern, mir was Leckeres zu essen kochen und die inzwischen schon heiß ersehnte Dusche genießen. Den ganzen Tag über bin ich an keinem geöffneten Campingplatz vorbeigekommen. Dann eben nicht. Aber hier gibt es gar nichts, wirklich nichts, nicht mal einen Pub, wo man auf dem Parkplatz übernachten könnte. Auch keine Wege in irgendein Wäldchen. Letztendlich finde ich einen Pfad, der irgendwo in die endlose Weite der Wiesen führt. An einer Stelle, wo der Pfad ein bisschen breiter wird, parke ich für die Nacht. Eine stockdüstere nebelige Nacht.

Tag 15, 25. Januar

Ich stehe mitten im Nichts. Wirklich nichts – außer einem Autowrack aus den fünfziger Jahren. Mache ein paar Bilder. Sonne, Regen, Sturmböen wechseln sich fast im Minutentakt ab. Es ist wärmer geworden, aber eine heiße Dusche wäre schön. Ein guter Moment, meine Duschkonstruktion einmal auszuprobieren. Obwohl es hier keinerlei Deckung gibt, bin ich so weit von jedem entfernt, dass man hier tun und lassen kann, was man will, ohne dass einen irgendjemand beobachten könnte. Und wenn doch, ist es auch egal. Mein Prototyp funktioniert erstaunlich gut! Einzig, wenn ich wirklich Wasser aus einem kleinen Rinnsal nehme, müssen meine Filter noch besser werden. So habe ich dann, auf einer Rettungsdecke stehend (um nicht im Matsch zu versinken), heiß geduscht! Welch eine Wohltat. Meine Kreditkarte ist zerbrochen. Zwar sind alle wichtigen Informationen noch lesbar, aber der Magnetstreifen ist hin. Es fehlt einfach die linke obere Ecke. Wahrscheinlich ist das gestern irgendwann passiert. Nach einer halben Stunde Fahrt kommt eine Tankstelle. Tanken geht, Geldautomat nicht. Im Ort gibt es keine Bank. Mist, ich habe überhaupt kein Bargeld mehr. Der Bauer wollte gestern etwas Geld haben für die Abschleppaktion. Es war mein letztes. Also wieder zur Tankstelle. Noch mal den Geldautomat probiert. Geht nicht. Was tun? Da tankt einer! Ich hin und gefragt, wie er bezahlen will. Bar! Sehr gut, ob es in Ordnung sei, wenn ich für ihn bezahle und er mir das Geld gibt (am Tankautomaten geht meine Karte noch). Es ist kein Trick dabei, ehrlich, ich brauche nur ein paar Pfund Bares. Er lässt sich darauf ein. Danke! Allerdings nur zehn Pfund. Naja, besser als nichts. Ich fahre weiter Richtung Süd Westen; es geht über kleine Straßen in die Berge. Es gibt eine Nationalpark Information, völlig verlassen (um diese Jahreszeit hat alles geschlossen), aber schön gelegen oberhalb der Straße, mit Blick auf ein weiteres Loch. Ich bin noch unschlüssig, bleibe aber letztendlich dort. Setze schon mal Linsen mit Chorizo auf. Ich habe seit zwei Tagen nicht mehr gekocht, sondern nur irgendwelche fertigen Sachen gegessen. Ich freue mich schon darauf. Es hat sich gelohnt (ich meine die Freude) – ziemlich lecker, mit einem guten Rotwein dazu. Der Sturm schüttelt mich in den Schlaf.

Tag 16, 26. Januar

Eigentlich müsste es schon hell sein. Seltsam! Es scheint neblig. Einen Augenblick später merke ich, woran es liegt. Schnee liegt auf den Scheiben oder besser gesagt: klebt daran. Alles ist weiß! Wunderbar! Am liebsten würde ich bleiben, aber ich bin ja unterwegs und die Batterie zur Versorgung meiner Standheizung muss geladen werden. Es geht weiter nach einem, nein zwei Kaffee. Die Straße ist weiß, nach ein paar Kilometern verwandelt sich das allerdings in Matsch. Es gießt jetzt in Strömen. Der Wetterbericht sprach von 41 mm/Quadratmeter. Das ist viel! Ich fahre weiter Richtung Isle of Skye. Kurz vor der Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet, mache ich halt.Ein kleines Städtchen mit Hafen, Tankstelle, Pub, Fish & Chips Laden, sehr sauberen öffentlichen Toiletten und Duschen und kommunaler Waschmaschine. Abgesehen von dem Hafen und der Waschmaschine ist das auch in etwa die Reihenfolge, in der ich die Dienstleistungen genutzt habe bzw. morgen früh nutzen werde. Die Biere waren lecker, der Fisch und die Chips auch. Allerdings war der Pub ziemlich irre, ein Tisch mit Einheimischen in der Ecke, ein paar Männer an der Theke, ins Fußballschauen vertieft. Nicht so meins. Dafür schnelles Internet. Ich habe die Gelegenheit genutzt, irgendeinen Film von Amazon Prime herunterzuladen. Stehe an der Hafenkante und erwarte eine geruhsame, wenn auch stürmische Nacht und schaue „The Lady in the Water“, meine Zufallsauswahl. Lustig, vor gar nicht so langer Zeit hätte ich mir unter einer stürmischen Nacht etwas anderes vorgestellt.

Tag 17, 27. Januar

Die Sturmwarnung hatte Recht. Ich habe noch nie erlebt, dass das Auto so sehr schwankt, auch nicht damals in Spanien, am Ende der Welt. Ich bin oft davon wach geworden, es war zu ungewohnt. Am Morgen dann ausgiebig duschen!!! Ich war noch unschlüssig, ob ich rechts oder links herum um die Insel fahren soll. Als die Sonne durch die Wolken geschienen hat, habe ich mich für links herum entschieden. Auf der Karte sehe ich, an einer etwas kleineren Straße gelegen, die Attraktion „Fairy Pools“, Kaskaden mit tiefblauem Wasser. Warum nicht? Oh Gott, auf der ansonsten fast menschenleeren Strecke ein fast voller Parkplatz. Ich fahre erst mal weiter und entdecke entlang dieser einsamen Sackgasse ein paar schöne Wasserfälle. Den Massenandrang bei den Pools brauche ich nicht. Also fahre ich wieder vorbei. Nun kommt aber die Sonne aus den Wolken, vielleicht doch, das Licht könnte jetzt genau richtig sein. Also drehe ich um. Auf der kleinen Wanderung zu den Pools werde ich von zwei hübschen Rothaarigen angesprochen, ob ich nicht ein Bild von ihnen machen könnte. Nichts lieber als das! Irgendwie sehen beide so aus wie die rothaarige Meerjungfrau gestern im Film, einem Film, den ich unter normalen Umständen wohl kaum geschaut hätte. Und das an den Fairy Pools! Schade, ich hätte mein anderes Objektiv doch einstecken sollen. Gern hätte ich eine Fotosession mit ihnen gemacht, aber weder dafür noch für ein längeres Gespräch war es die richtige Gelegenheit. Aber ein lustiger kleiner Winkelzug der Überraschungen des Lebens. Die Pools: weniger spektakulär. Ich habe ein paar Bilder gemacht, bin etwas umher gewandert und dann wieder gefahren. Ich habe einen schönen Platz gefunden, wieder mal ganz allein in der Landschaft. Es gab Süßkartoffel mit Black Pudding, gerösteter Birne und einem fantastischen Nachthimmel später.

Tag 18, 28. Januar

Ich hatte wieder einen seltsamen Albtraum – letztendlich ging es ums Zu-spät-kommen beziehungsweise Nicht-rechtzeitig-wieder-zurück-sein, ein leeres Telefon und keine freien Taxis. Nachdem ich lange rumgetrödelt habe, bin ich zurück an die Ostküste gefahren, ein morgendlicher Spaziergang in einem kleinen Örtchen und dann weiter auf kleinen Straßen Richtung Norden. Ich habe ziemlich spektakuläre Aufnahmen, auch mit der Drohne, gemacht. Am späten Nachmittag, fast an der nördlichstem Spitze, habe ich einen kleinen Weg entdeckt, der zu einer ehemaligen Radarstation hinaufführt. Sehr exponiert auf einer Klippe. Ich habe beschlossen, über Nacht zu bleiben. Inzwischen ist es sehr windig geworden. Der Landy wackelt und schaukelt ganz schön. Aus der Ferne ist Geschützdonner zu hören, zumindest nehme ich an, dass es das ist. Etwas spooky hier. Jetzt ist es schlagartig so, als hätte jemand den Wind abgestellt, aber auch die Sterne sind verschwunden und es ist stockdunkel. Naja, mal sehen, wie die Nacht so wird!

Tag 19, 29. Januar

Die Nacht war relativ unruhig. Sternklarer Himmel hat sich mit heftigem Schneesturm abgewechselt. Es ist schon interessant zu beobachten, wenn der Rotwein im Glas schwappt. Über Nacht habe ich versucht, alle Kameras zu laden. Die Folge davon war, dass meine zweite Batterie, die auch für die Heizung zuständig ist, leer wurde. Es war ein unerwartet kalter Morgen. Außerdem hatte es geschneit, nicht viel, aber es reichte aus, um das Grün von gestern in ein Weiß zu verwandeln. Nicht nur das, auch der Weg nach unten war verschneit und viel rutschiger als gestern. Und die dicke schwarze Wolke über dem Wasser verhieß nichts Gutes. Also gleich los, ohne richtig wach zu werden, ohne Kaffee, ohne weiteren Drohnenflug. Entgegen dem Uhrzeigersinn zur Nordspitze der Isle of Skye, Sonne und Schneetreiben wechseln sich ab. Ich halte hier und da für Aufnahmen, fahre aber dann letztendlich weiter bis nach Kyle of Lochalsh. Dorthin, wo es den gut geheizten Pub gibt, die Dusche und eine Waschmaschine. Es wird ein Service-Abend für mich und meine Wäsche. Abends gibt es noch eine Pizza zum Mitnehmen und seltsamerweise Fritten dazu. Der Pizzaladen sollte die Pizza nicht nach Durchmesser, sondern nach Fläche verkaufen, 6“=x £ 8“=y £.

Tag 20, 30. Januar

Ich sehe immer öfter Grüppchen von Fotografen; die scheinen die einzigen Leute zu sein, die bei diesem Wetter wirklich rausgehen. Aber der Reihe nach. Als ich morgens losgefahren bin, habe ich noch bei der Fischbude gehalten und mir einen leckeren Salat und ein paar Jakobsmuscheln mitgenommen. Unterwegs gab es viele Stopps, an einer Burg, an einem Monument entlang eines Kanals. Irgendwie bin ich von der Dunkelheit überrascht worden und das Fahren im Schneetreiben war kein Spaß. Auf der Karte habe ich einen keinen Nebenabzweig gesehen, der mir so aussah, als könnte man dort über Nacht ganz gut stehen. Zu meiner Überraschung gab es dort eine kleine Kapelle und einen Friedhof. Zunächst habe ich mir das Abendessen gebrutzelt, Jakobsmuscheln mit den Fritten von gestern. Lecker! Genau zum richtigen Zeitpunkt haben die Wolken sich verzogen und bei sternenklarem Himmel konnte man wunderschön die Kapelle mit den Bergen im Hintergrund und den Sternenhimmel fotografieren.

Tag 21, 31. Januar

Mein Platz war zu dicht an der Straße. Ich habe schlecht geschlafen und bin oft wach geworden, wenn die LKW vorbeidonnerten. Dafür war die Weiterfahrt landschaftlich atemberaubend. Zunächst ging es aufwärts. Durch die Wolken beziehungsweise gefrierenden Nebel. Nichts los, nirgendwo geschlossene Besucherzentren. Sehr schön war ein Tipp, den mir einer von den Fotografen gegeben hatte, dass der James Bond Film, „Skyfall“ sein finales Ende in einem der Täler hier gefunden hat. Ein kleiner vereister und verschneiter Weg, der zu einem See führt. Ich war mutterseelenallein. Erst hinterher habe ich gesehen, dass die Straße eigentlich gesperrt war. Mit vielen Stopps bin ich weitergefahren und habe kurz hinter der englischen Grenze auf dem Parkplatz eines Pubs übernachtet. Und sehr lecker gegessen und getrunken.

Tag 22, 1. Februar

Fast bis Mittag stehe ich auf dem Parkplatz vor dem Pub und schreibe Logbuch. Dann geht es weiter Richtung Süden. Irgendwie habe ich keine große Lust auf zusätzliche Abstecher, fahre dann aber doch durch den Lake District. Tolle Landschaft, schöne kleine Orte wie Widermere und Ambleside, aber auch sehr touristisch und eben England, dort, wo es selbst auf Waldparkplätzen Bezahlautomaten gibt. Ich fahre weiter bis an die westliche Seite des Peak District. Meine Karte führt mich zu einem Pub, wo man parken kann, wenn man etwas verzehrt. Ein kuscheliger kleiner Platz, ich sitze im Kaminzimmer am Feuer und esse und trinke gut. Es ist schon erstaunlich, für einen reinen Stellplatz in einem Caravan Park oder auf einem Campingplatz hätte ich mehr bezahlt, als mich hier ein deftiges Abendbrot und ein paar Biere gekostet haben. Aber mir wird auch klar: Durch England möchte ich jetzt gar nicht mehr viel weiter herumfahren, sondern möglichst nur durch und nach Hause. Ich buche eine Fähre für übermorgen, Sonntag.

Tag 23, 2. Februar

Ich habe mir vorgenommen, möglichst dicht an Dover heranzukommen. Auf der Karte sehe ich wieder einen Pub, etwa 20 km südlich von Sevenoaks, der auch seinen Parkplatz anbietet, vorausgesetzt, man konsumiert etwas. Das Wetter hat sich gebessert, aber der geschmolzene Schnee gefriert teilweise zu großen Eisflächen. Besonders in Kurven hält einen das wach und so möchte ich nicht allzu spät nach dem Dunkelwerden irgendwo ankommen. In diesem Ort hat es1066 irgendeine größere Schlacht gegeben. Der Pub liegt wunderbar auf einer Kuppe mit einer fantastischen Aussicht, hat nur leider geschlossen. Ich suche weiter und finde in einem kleinen malerischen Örtchen einen Pub. Die an der Theke konnte mir aber leider nicht sagen, ob es o.k. ist, zu essen und zu trinken und dann auf dem Parkplatz zu übernachten; das muss die Chefin entscheiden. Sie kommt in einer halben Stunde. Muss ich jetzt wirklich so lange warten, bis ich mir ruhigen Gewissens ein Bier bestellen kann? Das Mädchen hinter der Theke ruft die Chefin an und holt sich das Go und ich mir ein Bier. Der Pub wird im Laufe des Abends noch voll, ich esse und trinke mal wieder gut und schlafe dann ebenso. Nur mal so, zur Orientierung: Campingplätze verlangen hier zwischen 20 £ und 40 £ pro Nacht. Dafür gibt’s einen Stellplatz, Klo, eine Dusche und vielleicht Internet.Wenn ich in einem Pub esse und trinke kostet mich das irgendetwas zwischen 20 £ und 30 £, Stellplatz, Klo sowieso, Internet gibt’s meistens auch. Da kann man doch mal auf die Dusche verzichten. Der Abend im Pub war noch recht nett, ich habe auch die Besitzerin kennengelernt, sehr rührig und nett und es schien weniger, als sei sie die Chefin, sondern mehr jemand in einer Gruppe von Freunden.

Tag 24, 3. Februar

Ich habe gut geschlafen. Meine Standheizung brauche ich nicht. Da es draußen etwa -3° kalt ist, bleibt drinnen die Temperatur etwa bei elf Grad. Ich habe Schlafsack und Daunendecke; das ist mehr als genug. Morgens nach dem Aufwachen dann die Heizung an und ruckzuck sind es wohlige 22°C. Ich war viel zu schnell in Dover, bin dann aber auch direkt zum Fährterminal gefahren – ich hatte keine Lust auf irgendein Pay and Display Parken. Das stört mich sehr an England, es gibt kaum Möglichkeiten, einfach mal anzuhalten. Selbst im Wald stehen Bezahlautomaten und wenn man am Tag zehn Stopps macht und dafür immer bezahlen würde, was verlangt wird, wäre man nur dafür pro Tag zehn Pfund los.