Wir schreiben das Jahr 2019. Es scheint als habe Deutschland soeben Afrika entdeckt.
Afrika kommt!

Vielleicht war’s auch doch schon im letzten Jahr, in den Nachrichten sprach man davon, dass es eine erste Initiative gegeben habe, die Verbindungen zur Afrika zu festigen und auf eine neue Ebene zu stellen.

Interessant. Ich glaube, es war im Jahr 2006, als ich irgendwo zwischen Ouagadougou und Bobo-Dioulasso in Burkina Faso in einem kleinen Restaurant an der Hauptstraße saß.

99 Traktoren

Da kam sie, die grüne Kolonne! 99 grüne, chinesische Traktoren, die quer durch Afrika unterwegs waren. Einer nach dem anderen rollte vorüber. 99 Traktoren, ein bisschen schneller als Schritttempo, das dauert, das fällt auf! Wozu das Ganze? Eine Marketingkampagne! China zeigt Präsenz und will gleichzeitig die Qualität seiner Produkte demonstrieren. “Mit unseren Traktoren kann man nicht nur aufs Feld, nein, man kann sogar durch ganz Afrika damit fahren, so zuverlässig sind sie!” Das ist die Message! Und, ich muss zugeben, es hat sogar mich beeindruckt. Jeder, der einmal in Westafrika unterwegs war, weiß, was das für eine logistische Meisterleistung ist.

Aber es sind nicht nur die Traktoren, China ist in Afrika allgegenwärtig. Der ortsansässige Apotheker bestellt seine Ladeneinrichtung in China und bekommt sie passgenau geliefert und installiert zum Festpreis. Häfen werden gebaut, Bodenschätze ausgebeutet. Nur nochmal zur Erinnerung, ich spreche vom Jahr 2006 wohlgemerkt!

Dr. Maureen Duru bei ihrer Veranstaltung der African Diaspora Projects Initiative mit einem hochrangigen Vertreter des ACP (African, Caribbean and Pacific Group of States) und den Botschaftern von Sierra Leone und Nigeria (Foto: Claus Siebeneicher, privat).

Doch zurück ins Jahr 2019. Wir haben viel aufzuholen. Aber auch die Chance, aus Fehlern (anderer) zu lernen und uns auf Augenhöhe und nachhaltig zu begegnen. Wir dürfen jetzt nur nicht anfangen, uns in einem Klein-klein zu verlieren und wie so oft zu versuchen, das Rad neu zu erfinden. Es gibt unzählige kleine, aber sehr effiziente Initiativen, die exzellente Kontakte und Ideen haben. Oft mangelt es nur an einem übergeordneten Blick, Hilfe, Koordination und Geld, um daraus Strukturen zu entwickeln, die für alle Beteiligten ein Gewinn sind.
Manche der kleinen Initiativen wären leicht skalierbar und haben “Luft nach oben”.

Belgien ist wie Frankreich (bezogen auf das Bruttosozialprodukt) stark in Afrika engagiert und in dem multikulturellen Land gibt es nicht nur in Brüssel unzählige Vereine und Organisationen, die über exzellente Kontakte verfügen und bisher mit erstaunlich geringem Aufwand gute Erfolge erzielen. Mit der richtigen Unterstützung am richtigen Ort kann man starke Hebel in Bewegung setzten und gute und nachhaltige Geschäftsbeziehungen aufbauen.