England - Wales - Schottland

11. Januar bis 3. Februar 2019

Tag 14, 24. Januar

Das Rauschen vom Wind und Meer wirkt beruhigend auf mich. Ich habe wunderbar und ganz lang geschlafen. Morgens habe ich noch etwas rumgetrödelt, aber es war doch einfach zu windig, um länger dort zu bleiben. Also weiter, wunderschöne Landschaften und dann diese malerische kleine Brücke. Auf der Suche nach einem guten Platz zum Anzuhalten und auch, um nicht allzu weit zurücklaufen zu müssen, habe ich diesen kleinen Weg entdeckt, der ein bisschen später parallel zur Hauptstraße Richtung Brücke führte. Also gewendet und reingefahren. Und natürlich Fotos, Fotos, Fotos. Der Weg ist zu schmal, um zu drehen, lange Strecken rückwärts fahren ist öde, aber wozu brauche ich Straße? Ich kann ja einfach auf die Wiese setzen und dann drehen. Erst mal vorsichtig versuchen, alles klar. Doch dann geht es plötzlich eine Etage tiefer. Die Wiese war gar keine, sondern ein Sumpf mit gefrorener Oberfläche. Und ich bin einfach eingebrochen. O. k., kein Problem, Differenzialsperre und Untersetzung rein. Denkste! Nichts geht mehr, ich setze schon nach wenigen Augenblicken hinten mit der Bodenwanne auf und die Räder hängen in der Luft beziehungsweise im Wasser. Mist! Erst mal Gummistiefel an und die Lage peilen. Für solche Gelegenheiten habe ich ja einiges dabei. Ein Seil, eine Handwinde, einen speziellen Wagenheber, Schaufel und ein (aber leider nur ein) Auffahr-Blech auf dem Gepäckträger. So leicht komme ich hier nicht raus. Es gibt keine Möglichkeit, das Seil irgendwo festzumachen, Handwinde scheitert somit. Erst mal das Blech abschrauben. Irgendwas muss unter die Räder. Hier gibt es nichts außer Steinen von der unhandlichen Größe im Fluss. Um etwas unterzulegen, muss man natürlich die ganze Fuhre etwas anheben. Also Wagenheber raus und ein etwa DIN A4 großes Kunststoffbrett drunter geschraubt, um die Aufstellfläche zu vergrößern. Im gleichen Moment hält ein Wagen an. Fragt, ob ich Hilfe brauche, wartet aber meine Antwort gar nicht ab, sondern setzt zurück und kommt den Feldweg entlang gefahren. Der örtliche Polizist, wie er ganz beiläufig bemerkt. Er sagt, er kennt hier alle und er kann gerne mal einen Bauern anrufen, der mit seinem Traktor kommt und mich rauszieht. Das ist ein Angebot. Er telefoniert, sagt, es kann eine oder zwei Stunden dauern und fährt davon. O. k., dann versuche ich nur, irgendwie die Anhängerkupplung beziehungsweise deren Befestigung freizulegen, damit wir ein Seil daran kriegen. Sumpf! Mit dem Highlift habe ich das Heck ein paar Zentimeter angehoben, die große Wagenheberplatte ist aber mehr als einen halben Meter im Boden versunken. Gut, dass sie fest angeschraubt ist, sonst wäre sie weg gewesen. Den 300 PS Schlepper vom Bauern habe ich schon von weitem gehört, ich war gerade damit fertig, das Seil zu befestigen. Der Rest war eine Sache von Minuten und der Landy stand wieder auf dem Weg. Es wird mir eine Lehre sein! Ich bin erschöpft und müde, der Tag hat nicht so begonnen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich werde den nächsten Campingplatz ansteuern, mir was Leckeres zu essen kochen und die inzwischen schon heiß ersehnte Dusche genießen. Den ganzen Tag über bin ich an keinem geöffneten Campingplatz vorbeigekommen. Dann eben nicht. Aber hier gibt es gar nichts, wirklich nichts, nicht mal einen Pub, wo man auf dem Parkplatz übernachten könnte. Auch keine Wege in irgendein Wäldchen. Letztendlich finde ich einen Pfad, der irgendwo in die endlose Weite der Wiesen führt. An einer Stelle, wo der Pfad ein bisschen breiter wird, parke ich für die Nacht. Eine stockdüstere nebelige Nacht.

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