Mal wieder gab es eine Diskussion, ob “Programmieren” in deutschen Schulen ein Pflichtfach werden soll oder ob man sich bemüht analytisches Denken zu fördern um so den Herausforderungen der “Digitalisierung” gerecht zu werden.
Für mich ist dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber gleichzeitig frage ich mich immer noch warum wir immer noch so überrascht tun bei allen, das die “Digitalisierung” betrifft?
Der digitale Wandel hat etwa dann eingesetzt, als analoge Fotoapparate begannen, vom Markt zu verschwinden. Das ist nun schon so lange her, dass sich kaum noch jemand an den genauen Zeitpunkt erinnert.
Natürlich beherrscht das ‘digitale’ Medium Internet die Kommunikation. Sein ‘nicht vorhanden sein’, kann Landflucht und Abwanderung in Städte bewirken neue Industrien und Erwerbsmodelle erschaffen und nicht wandlungsfähige zerstören.
Ich bin nun 59, gehöre so mit der Generation an, die mit Schaffung des World Wide Web das Internet aus seiner militärischen und universitären Nische geholt und zu dem gemacht hat, was es bis vor kurzen war.
Diese Diskussion, ob Kinder beziehungsweise Schüler programmieren lernen sollen, halte ich für nicht zielführend. Natürlich sollte man analytisches Denken fördern, doch darum geht es nicht. Die Frage sollte doch sein: welches Wissen ist nötig um sich den zukünftigen Herausforderungen an die Digitalisierung stellen zu können? Natürlich gibt es unendlich viele soziale und ökonomische Aspekte, aber auch ganz einfache, technische, die es zu zunächst verstehen gilt. Das Internet ist vor allem ein Medium, dass auf der technischen Ebene die Möglichkeit bereitstellt, Information auszutauschen.
Was man damit macht und wie man damit umgeht steht auf einem anderen Blatt.
Aber, um zu verstehen, was man damit machen kann und wo die Chancen und Risiken liegen führt kein Weg daran vorbei, zumindest in groben Zügen dieses technische Gebilde zu verstehen.
Machen Sie doch einfach mal ein Experiment: Fragen Sie einen Lehrer, einen Schüler und vielleicht einem Richter, ein grobes Blockdiagramm von dem Internet zu zeichnen, mit dem wichtigsten Komponenten und, ganz grob, einem möglichen Informationsfluss.
Viele sprechen von den Risiken und Chancen, programmieren im Unterricht vielleicht sogar kleine Computer oder fällen sogar Urteile bei denen sich manche die Haare raufen.
Aber wer versteht wirklich, worum es geht? Doch zurück zu der Frage, ob Schüler programmieren lernen sollen. Vielleicht. Wie im Werkunterricht. Um das Funktionsprinzip eines Motors (das halte ich immer noch für Allgemeinwissen) zu verstehen, bildet man ja auch keine Autoschlosser aus, oder fängt sogar an Motoren zu bauen.
Es gehört gar nicht so viel dazu, ein grobes Verständnis zu erlangen, wie Hosts, Nameserver, Übertragungsstrecken und Clients zusammenspielen, warum IP Adressen wichtig sind und weshalb wir alle so viel Angst vor Cookies haben sollen.
Wenn man dieses Zusammenspiel in groben Zügen begriffen hat, dann kann man auch darüber nachdenken, welchen Effekt zum Beispiel der amerikanische „Act of Information Freedom“ auf die Entwicklung von Unternehmen und Diensten wie zum Beispiel Google Maps hatte und wie sich im Vergleich hierzu das Festhalten an klassischen Geschäftsmodellen, etwa der Verkauf von Kartendaten durch die Landesvermessungsämter entwickelt hat. So käme man dann über die Technik zu den sozialen und ökonomischen Aspekten. Das ginge sogar spielerisch, vielleicht in der Form einer Geschichte der Planung einer Reise zur Großmutter, dem Fluss von Informationen und Autos, die sich gegenseitig vor einem Unfall mit einem Wolf warnen und warum das ohne flächige Funkabdeckung, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern oder auf der A7 nicht funktionieren kann.